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Klimaerwärmung ist der so genannte Emissionshandel. Hierbei werden die klima- schädlichen CO2-Emissionen absolut gedeckelt und
erhalten einen Preis. Das heißt: Die Atmosphäre ist keine kostenlose Müllhalde mehr, sondern zukünftig muss der, der sie verschmutzt, auch dafür zahlen. Die Tatsache, dass Kohlenstoff einen Preis erhält, ist
ein wesentliches Element, das das Wirtschaftlichkeitskalkül vieler Industriezweige grundlegend verändert. Klimaschutzpolitik wird damit erhebliche Effekte auf die Stromerzeugungskosten, die Großhandelspreise, die
wirtschaftliche Attraktivität von Brennstoffwechsel und die grundsätzliche Wirtschaftlichkeit von Kraftwerken zur Folge haben.
Damit, sehr geehrte Damen und Herren, wird die Menge des klimaschädlichen CO2, das ein Unternehmen ausstößt, zukünftig auch für die
Bonität des Unternehmens relevant. CO2 wird in den Unternehmensbilanzen auftauchen. Über die Konsequenzen gibt es eine Reihe von Analysten-Reports. Ich möchte mich auf die zentralen Ergebnisse der West-LB
konzentrieren.
Die West-LB kommt in ihrem Report „Von Economics zu Carbonomics, Value Risk durch Klimawandel“ aus dem Jahr 2003 u.a. zu folgenden
Schlüssen:
- „Unternehmen in Branchen mit einer hohen Klima-Exposure müssen mit Bewertungsabschlägen rechnen.“ RWE gehört hier
zweifelsfrei dazu. Bei Elektrizitäts- und Gasversorgern hängt dies insbesondere - so die West-LB - vom dem Energie-Mix ab. Gerade für Unternehmen, die stark von Kohle und Ölfeuerung abhängen, bestehe die
Gefahr, dass regulative Änderungen hohe Kosten verursachen. Im Extremfall können kapitalintensive Umrüstungen bis hin zur Schließung von Anlagen relevant werden. Ein Umschalten zu Erneuerbaren Energien und
der Nutzung energieeffizienter, schadstoffarmer Technologien kann dagegen Chancen eröffnen, von einem wachsenden Markt zu profitieren.
Meine Frage an den Vorstand: Welche Nachhaltigkeitsstrategie hat RWE um einen anspruchsvollen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und durch Fehlinvestitionen Schaden von den Aktionären abzuwenden, und zwar nicht nur kurzfristig?
In ihrem Geschäftsbericht 2003 schreiben Sie: „Klimaschutz bleibt das Topthema“. Richtig! Dass Sie aber nur auf den Einsatz neuer Kohlekraftwerks-Technologie setzen, wird nicht ausreichen.
- Des Weiteren, so die West-LB, ist die Managementstrategie von besonderer Relevanz. Die langen Investitionszyklen in der Branche
verringern die Flexibilität, so dass ein vorausschauendes Risikomanagement und frühzeitiges Engagement in zukunftsträchtigen Technologien essentiell wird. Als Vorreiter werden im WEST-LB Report Endesa,
Entergy, Public Service Enterprice Group und Duke Energy genannt. RWE wird hier nicht erwähnt.
Meine Frage an den Aufsichtsrat: Muss man daraus schließen, dass – salopp gesagt – die
Hausbank von RWE davon ausgeht, dass RWE in Sachen Klimawandel kein seriöses Risikomanagement betreibt?
Kommen wir zum Emissionshandel zurück. Seit nun gut 14 Tagen ist die Ausgestaltung des deutschen so genannten Nationalen
Allokationsplans bekannt. Es ist kein Geheimnis, dass nicht nur die Umweltverbände sowohl mit der darin formulierten Zielsetzung als auch mit der Struktur nicht zufrieden waren und ihn als zu schwach ansehen.
Gerade deshalb ist davon auszugehen, dass diese Struktur den Unternehmen keine Planungssicherheit geben wird, sondern schon sehr bald nachgesteuert werden muss, will man in der Frage des Klimawandels nicht von einem
vollständigen Politikversagen ausgehen. Um diese Planungssicherheit zu erhalten, ist es von immenser Relevanz, dass die zukünftigen Reduktionsziele von der Politik als wichtige Leitplanken festgelegt
werden. Dies muss aber gerade von Unternehmen wie RWE auch eingefordert werden.
Zwei weitere Fragen an den Vorstand:
Setzen Sie sich offensiv für die Festlegung anspruchsvoller Reduktionsziele nach 2012 ein, um Ihrer gesellschaftlichen Verantwortung
gerecht zu werden und um Fehlentscheidungen im Kontext der Kraftwerksparkerneuerung zu vermeiden, die sehr empfindlich dem shareholder value schaden könnten?
Der Nationale Allokationsplan sieht in der so genannten Übertragungsregelung vor, dass Unternehmen die Zertifikate einer stillgelegten
Altanlage 4 Jahre lang auf eine neu errichtete Anlage übertragen können. Dies bedeutet, dass die Investitionskosten eines hocheffizienten Gaskraftwerkes zu 42 Prozent nur durch die überschüssigen
Zertifikate finanziert werden könnten. Substituiert man die alte Anlage aber durch ein hocheffizientes Braunkohlekraftwerk, würden nur 6 Prozent refinanziert. Deshalb fordern wir, zukünftig in jegliche
Investitionen in Braunkohleanlagen zu verzichten. Wie wollen Sie eine Entscheidung für eine neue Braunkohleanlage Ihren Aktionären erklären, die kurzfristig viel Geld verlören und langfristig ein hohes Risiko
tragen, dass es sich um ein „stranded investment“ handelt?
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