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Bilderberg darf kein Thema sein
Lufthansa-Chef stellt Mikrofon ab
Jürgen Weber wollte souverän erscheinen, als er am 16. Juni 2004 erstmals als
Aufsichtsratsvorsitzender die Hauptversammlung der Deutschen Lufthansa leitete, deren Vorstand er zuvor viele Jahre lang geführt hatte.
Er ertrug es geduldig, als Dachverbands-Geschäftsführer Henry Mathews die Erfolge
der Kritik an gewaltsamen Abschiebungen ausländischer Flüchtlingen in Lufthansa- Maschinen an sprach. Der Kritische Aktionär schilderte, wie Ende 2003 durch
Intervention des Dachverbands die Deportation einer staatenlosen Familie nach Rumänien verhindert werden konnte. Der Flugkapitän habe verweigert, den sich
heftig gegen Grenzschutzbeamte wehrenden Mann zu befördern. Damit, so Mathews, hätten die jahrelangen Proteste in Lufthansa-HVen Früchte getragen
Weber blieb auch äußerlich gelassen, als Mathews ausdrücklich den Vorsitzenden
der Dienstleistungs-Gewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, vor Kritik in Schutz nahm. Als Aufsichtsratsmitglied der Arbeitnehmer war er in der HV 2003 von einer knappen
Aktienmehrheit nicht entlastet worden, weil er einen Streik des Bodenpersonals nach gerechteren Löhnen organisiert und damit der Lufthansa Umsatzausfälle beschert
hatte. Zu Beginn der HV 2004 hatte der Sprecher der ,Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz' (DSW), das Thema erneut aufgegriffen und indirekt den
Fortbestand der Mitbestimmung in deutschen Aktiengesellschaften in Frage gestellt
„Der Mann hat seinen Job gemacht!“, rief Mathews deshalb gegen lautstarke Proteste
aus dem Publikum an. „Herr Bsirske ist den Beschäftigten verpflichtet, die er vertritt und die ihn gewählt haben“, insistierte er, „und bestenfalls in zweiter Linie den
Gewinninteressen der Aktionäre.“
Versammlungsleiter Weber verlor seine Fassung erst, als Mathews ihn „Wie war's denn in Stresa?“ fragte und damit Webers Teilnahme
an der so genannten Bilderberg- Konferenz Anfang Juni 2004 im italienischen Luxusferienort Stresa meinte. Bei den seit 1954 jährlich streng geheim stattfindenden Konferenzen treffen weltweite
Wirtschaftsführer mit einflussreichen Politikern und wenigen handverlesenen Journa- listen zusammen. Alle Teilnehmer müssen sich zu strengster Verschwiegenheit über
die Themen der Konferenzen verpflichten. Jürgen Webers Teilnahme war dennoch bekannt geworden. Kommentieren wollte er das nicht. Stattdessen schaltete er Mathews das Mikrofon ab.
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