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beiden Kandidaten gestimmt, als die von den Kritischen Aktionären direkt Vertretenen.
Stunden später durfte Eduardo Fachal ans Mikrofon treten, und durch einen Übersetzer berichten: „Ich war Mitglied des Betriebsrats von Mercedes Benz Argentinien während der schlimmsten Militärdiktatur, die wir in unserem Land erleiden mussten. Ich hatte diese Funktion nur wenige Monate inne, weil meine Kollegen, darunter Esteban Reimer, aufgrund ihres gewerkschaftlichen Engagements ermordet wurden. Der Rest des Betriebsrats, darunter ich selbst, trat zurück, um unsere Leben zu retten.“
Das Publikum erstarrte. Dieses Thema hatten Kritische Aktionäre schon in den vier Jahren zuvor angesprochen, doch auf ihre Einladung
stand nun erstmals ein Betroffener vor den Aktionären. Fachal verurteilte das „Gutachten“ des Berliner Völkerrechtlers Christian Tomuschat über das Verschwinden der Betriebsräte, das Daimler bezahlt und im
Dezember 2003 veröffentlicht hatte (vgl. Jahresbericht 2003). Tomuschat habe nicht mit den Überlebenden gesprochen, sondern sich wesentlich auf Firmenangaben gestützt.
Dann wendete sich Fachal an den Gesamtbetriebsrats-vorsitzenden und stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden, der den scheinbar
entlastenden Tomuschat-Bericht gut geheißen hatte : „Kollege Klemm, wären Sie bereit, nach Argentinien zu reisen, um sich mit Ihren Kollegen zu treffen, damit Sie die Wahrheit kennen lernen – ohne Lügner, die
dafür bezahlt werden, die Wahrheit zu verschleiern. Ich lade Sie ein, nach Argentinien zu kommen, und danach der Aktionärsversammlung darüber zu berichten, welche die wahre Verantwortung von Mercedes Benz
Argentinien an der Festnahme, dem Verschwindenlassen, der Folter und dem Tod unserer Kollegen war.“ Kollege Erich Klemm antwortete darauf nicht und hat die Einladung bis heute nicht angenommen.
Eduardo Fachal forderte den Vorstand von DaimlerChrysler auf, die Archive des Konzerns in Argentinien zu öffnen sowie Entschädigungen
an die Angehörigen der 15 Verschwundenen und an die Überlebenden der Folter zu zahlen. Zuletzt bat er darum, auf dem Werksgelände in Buenos Aires eine Gedenktafel für die verschwundenen Kollegen anbringen zu
dürfen. Vorstandschef Jürgen Schrempp ignorierte diese Appelle „Ich habe zu Argentinien nichts hinzu zu fügen“, verkündete er – obwohl er noch kein Wort dazu gesagt hatte.
„Die Wahrheit wird ihnen immer wieder hinterherlaufen“, reagierte darauf Ex-Bischof Helmut Frenz in seiner Rede. Das „Gutachten“
von Prof. Tomuschat, von dem sich auch Amnesty International am Tag der HV öffentlich distanzierte, nannte er „verwerflich, weil es die Opfer verhöhnt.“ Frenz forderte die Teilnehmer der Hauptversammlung zu
einer Schweigeminute für die Verschwundenen auf. Die Hälfte des Publikums erhob sich. Vorstand und Aufsichtsrat – einschließlich Klemm und der gesamten Arbeitnehmerbank – blieben demonstrativ sitzen.
Als die Journalistin Gaby Weber ans Mikrofon trat, und den Vorstand um Stellungnahme zu ihren Rechercheergebnissen über die Wäsche
versteckter Nazi-Gelder durch Mercedes Argentinien in den 50er Jahren bitten wollte, vergaĂź Versammlungsleiter Hilmar Kopper alle Anstandsregeln und stellte ihr kurzerhand das Mikrofon ab. Antworten bekam Weber,
die schon das Verschwinden der argentinischen Betriebsräte aufgedeckt hatte, vom Vorstand nicht. Trotzdem veröffentlichte sie ein halbes Jahr später ihr neues Buch „Daimler-Benz und die
Argentinien-Connection“. Der Dachverband ist Mitherausgeber des im Oktober 2004 erschienen Werks, das beim dachverband@kritischeaktionaere.de für 10,– Euro pro Exemplar bestellt werden kann.
Kurz vor den Abstimmungen verlor Kopper bei der letzten Frage eines Kritischen Aktionärs erneut die Fassung. Der Kritiker hatte kurz vor
22:00 Uhr gefragt, warum Schrempps langatmige Antworten zu technischen Details einer neuen Standheizung und eines neuen Klarlacks zur Tagesordnung der Hauptversammlung gehören würden, während 15 verschleppte,
gefolterte und ermordete Angehörige des Konzerns kein zulässiges Thema sein dürften. „Das ist doch offensichtlich“, bellte Kopper mit rotem Kopf und der vollen Resonanz seines gewichtigen Körpers zurück.
Produktinforma- tionen gehörten „selbstverständlich“ in die Hauptversammlung, „aber Sie können uns doch hier nicht mit neuen Dingen konfrontieren. Das geht nicht.“
Ex-Bischof Helmut Frenz verlieĂź seine erste Hauptversammlung mit einem
klaren Urteil über das Informationsverhalten des DaimlerChrysler-Vorstands: „Das Schweigen der Wölfe.“
Toma de posiciĂłn y discurso de Eduardo Fachal
Presse-Statement und HV-Rede von Eduardo Fachal
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