|
In vielen LĂ€ndern, in denen Produkte fĂŒr die adidas-Salomon AG hergestellt werden, wird den ArbeitskrĂ€ften ein Lohn bezahlt, der weit
unter dem Standard liegt, der eine Befriedigung der GrundbedĂŒrfnisse der Arbeiter und Arbeiterinnen abdecken könnte. Dies ist auch Gegenstand einer Beschwerde, die die Kampagne fĂŒr ,saubereâ Kleidung vor dem
Nationalen Kontaktpunkt der OECD, dem Bundesministerium fĂŒr Wirtschaft und Arbeit, eingelegt hat.
In El Salvador erhalten die NĂ€herInnen den Mindestlohn von 144 US-$ im Monat und mĂŒssen dafĂŒr mindestens 44 Stunden pro Woche
arbeiten. UnabhĂ€ngige Institutionen gehen davon aus, dass drei bis fĂŒnf dieser Mindestlöhne nötig wĂ€ren, um die GrundbedĂŒrfnisse einer Familie abdecken zu können. ArbeiterInnen, die Vollzeit fĂŒr die
adidas-Salomon AG nÀhen, sind somit gezwungen, ein Dasein in bitterer Armut zu fristen.
Damit nicht genug: im adidas-Zulieferbetrieb Hermosa in El Salvador befĂŒrchten die ArbeiterInnen ihre Entlassung, wenn sie ihr Recht auf
gewerkschaftliche Organisation ausĂŒben wollen. ArbeiterInnen, die sich in Hermosa um eine Anstellung bewerben und vorher in einer Fabrik mit Gewerkschaftsvertretung beschĂ€ftigt waren, dĂŒrfen auf Anweisung der
Personalchefin nicht eingestellt werden.
Beide FĂ€lle sind Beispiele fĂŒr einen klaren Bruch des adidas-Salomon- Verhaltenskodex sowie der Normen der Internationalen
Arbeitsorganisation ILO.
Besorgniserregend ist auch die Antwort des Vorstandsmitglieds Manfred Ihle auf den Redebeitrag der Kritischen AktionÀre in der
Hauptversammlung der adidas-Salomon AG im letzten Jahr: Herr Ihle erklÀrte hier vor allen AktionÀren und AktionÀrinnen, dass es in der Weltmarktfabrik Chi Fung in El Salvador keinen Schwangerschaftstest gebe und
dass Probleme mit verschmutztem Trinkwasser â wie von der Kampagne fĂŒr ,saubereâ Kleidung angemahnt â ausgerĂ€umt seien. Diese Antwort gab Herr Ihle am 08. Mai letzten Jahres.
Im Juli recherchierte ein Fernsehteam des ZDF in El Salvador. Es stieĂ auf den gegenteiligen Sachverhalt: das Wasser in der Fabrik Chi
Fung war hochgradig mit Bakterien verschmutzt. Arbeiterinnen berichteten, dass erzwungene Schwangerschafts- tests an der Tagesordnung waren. Dies war mehre Wochen NACH den ErklÀrungen von Herrn Ihle hier vor diesem
Publikum. Was bedeutet dies?
Es bedeutet, dass nicht einmal der Vorstand der adidas-Salomon AG ĂŒber die Bedingungen informiert ist, unter der Kleidung fĂŒr die
adidas-Salomon AG hergestellt wird. Dies bedeutet auch, dass das Kontrollsystem, welches adidas-Salomon aufgebaut hat, um die Einhaltung des firmeneigenen Kodex zu ĂŒberwachen, nicht oder nur unzureichend
greift.
Erfahrungen der internationalen Kampagne fĂŒr ,saubereâ Kleidung unterstreichen u.a. die Unverzichtbarkeit einer unabhĂ€ngigen,
institutionalisierten Kontrolle der Arbeitsbedingungen unter Beteiligung von Gewerkschaften und NGOs aus Nord- und SĂŒdlĂ€ndern.
Den Angeboten der Kampagne fĂŒr ,saubereâ Kleidung, gemeinsam solche unabhĂ€ngigen Kontrollsysteme zu erproben, hat sich adidas-Salomon
bislang stets entzogen. Im Vergleich mit anderen Unternehmen der Branche ist die Kooperationsbereitschaft von adidas-Salomon gegenĂŒber kritischen Stakeholdern bedauerlich gering.
Ich frage den Vorstand und den Aufsichtsrat der adidas-Salomon AG: Welche Schritte gedenken Sie zu unternehmen, um diese gravierenden
Arbeitrechtsverletzungen bei der Herstellung von Produkten, die Sie vertreiben, zu unterbinden?
Ich frage Sie auch: Wie stehen Sie zu einer unabhÀngigen, institutionalisierten Kontrolle? Ihre Mitgliedschaft in der FLA, der Fair
Labor Association, ist keine ausreichende Antwort auf diese drĂ€ngenden Fragen. Die genannten Beispiele haben gezeigt, wie wenig verlĂ€sslich die Arbeit der FLA ist. AuĂerdem sieht sie keine institutionalisierte
Einbeziehung lokaler Akteure vor.
Solange die Sorgen ĂŒber die Arbeitsrechtsverletzungen bei der Herstellung von adidas-Salomon-Produkten nicht ausgerĂ€umt werden können,
ist es mir nicht möglich, fĂŒr eine Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrats zu stimmen.
Ăbersicht Adidas
|